„Das Anliegen der Österreichischen Akupunkturgesellschaft ist, die traditionelle, aus China stammende Akupunktur mit der modernen, naturwissenschaftlich orientierten sogenannten Schulmedizin sinnvoll zu verbinden. Heute kann man wohl davon ausgehen, dass die Akupunktur sich der Schulmedizin sehr stark angenähert hat, ja sogar ein Teil von ihr geworden ist“, so definierte Univ.-Prof. Dr. Helmut Nissel (Ärztlicher Direktor des Kaiserin Elisabeth-Spitals Wien, Präsident der Österreichischen Akupunkturgesellschaft, die Stellung der sanften chinesischen Heilkunst anlässlich des 3. Internationalen Johannes Bischko-Symposiums-
Die Akupunktur, so Prof. Nissel, wirkt nach heutigem Wissen auf mehrfache Weise:
- Nervös-reflektorisch: Impulse, die man bei einer Akupunktur-Behandlung setzt, wirken auf verschiedenen Ebenen des Zentralnervensystems und bewirken eine veränderte Schmerzverarbeitung bzw. Schmerzwahrnehmung.
- Humoral-endokrin: Man konnte nachweisen, dass durch Akupunktur vermehrt Substanzen freigesetzt werden, die schmerzlindernd, psychisch regulierend, aber auch abwehrsteigernd wirken (z.B. Endorphin, ACTH)
- Durchblutungsfördernd
- Entspannend auf die Muskulatur, und zwar nicht nur am Ort des Nadelstiches, sondern auch weit entfernt davon im „Zielgebiet“ des Punktes.
- Immunmodulierend: Die körpereigene Abwehrkraft wird verbessert und gestärkt.
Prof. Dr. Alexander Meng, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie: „Heute kennen wir mehr als 100 Indikationen für eine wirksame Akupunktur. Darunter sind Schmerzen des Bewegungsapparates wie die Arthrose und die Arthritis, Krankheiten des Nervensystems wie die Migräne, oder Halbseitenlähmungen nach einem Schlaganfall. Aber auch so manche Störungen mit vegetativen, psychosomatischen Aspekten sprechen gut auf Akupunktur an.“
Die Haupteinsatzgebiete der Akupunktur im Westen, so Nissel, sind heute akute und chronische Schmerzen, Asthma und Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes: „Die Akupunktur wirkt vor allem bei gestörten, aber nicht zerstörten Strukturen. Sie ist eine wertvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für die schulmedizinische Diagnostik.“
„Mit sehr gutem Erfolg wird heute Akupunktur bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises wie z.B. degenerative Gelenkserkrankungen und Weichteilrheumatismus eingesetzt“, so Nissel. „Rheumatische Erkrankungen stehen auch in der Akupunktur-Ambulanz des Kaiserin Elisabeth-Spitals an vorderster Stelle. Statistisch gesehen kann in 75 Prozent der Fälle mit Akupunktur-Therapie eine deutliche Besserung erzielt werden.“
Auch bei der Fibromyalgie, einer Erkrankung mit Schmerzen häufig am ganzen Körper, die schulmedizinisch nur schwer behandelbar ist, zeigt die Akupunktur gute Erfolge. Bei einigen Erkrankungen dieses Formenkreises wird die rheumatische Grunderkrankung mit schulmedizinischen Methoden behandelt und die Akupunktur begleitend zur Schmerztherapie eingesetzt. „Dies hat für die Patienten den Vorteil, dass sie weniger Schmerzmedikamente einnehmen müssen“, so der Experte.
Meng: „In einer Langzeitstudie an unserer Ambulanz können wir nachweisen, dass bei Patienten mit chronischen Schmerzen mittels Akupunktur in etwa 60 Prozent der Fälle eine gravierende Schmerzlinderung eintritt und sich die psychische Verfassung, wie Angstzustände oder Depressionen auffallend positiv verändert. Der Bedarf an Medikamenten kann damit deutlich reduziert werden.“