„Die Musiktherapie hat sich in der Behandlung chronischer Schmerzen inzwischen einen festen Platz gesichert, ihre Wirksamkeit bezüglich Symptom-Verbesserung und psychischen Ergebnissen ist zunehmend Evidenz-basiert“, erklärte jetzt der Salzburger Schmerzforscher Univ.-Prof. Dr. Günther Bernatzky.
Dafür gibt es bereits zahlreiche Beweise, zum Beispiel Studienergebnisse eines Heidelberger Teams von Schmerz- und Musiktherapie-Forschern (Studienleiter: Prof. Dr. Thomas K. Hillecke, Fakultät für Musiktherapie der SRH Hochschule Heidelberg), die vor wenigen Tagen bei der 17. Wissenschaftlichen Tagung der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) in Linz vorgestellt wurden.
Hillecke: „Bisher haben wir zu mehreren gesundheitspolitisch relevanten Krankheitsbildern wirksame Konzepte entwickelt und hinsichtlich ihrer Effizienz bezüglich Symptom-Reduzierung und psychologischen Ergebnisvariablen (z. B. Therapiezufriedenheit) überprüft.“ Einige Ergebnisse:
- 71 Prozent der Patienten mit chronischen Nicht-Krebs-Schmerzen, die unterstützend musiktherapeutisch behandelt wurden, zeigten eine klinisch signifikante Verbesserung, in einer Folgestudie waren es 68 Prozent.
- Bei Patienten mit Tumorschmerzen zeigen die Studienergebnisse eine klinische Verbesserung des kombinierten Zielkriteriums Beschwerdereduzierung und Therapiezufriedenheit bei 60 Prozent der musiktherapeutisch behandelten Patienten.
- Bei Kindern mit Migräne war die Reduktion der Attacken-Häufigkeit und die Therapiezufriedenheit der Musiktherapiegruppe nach der Intervention dem Medikament und dem Placebo klinisch signifikant überlegen.
- Bei Jugendlichen mit primären Kopfschmerzen reduzierte sich die subjektive, sensorische Schmerzstärke während der Behandlungsphase um bis zu 60 Prozent.
„Die moderne klinische Forschung zeigt eine eindeutige Wechselbeziehung zwischen körperlicher und psychischer Befindlichkeit“, so Prof. Bernatzky. „Diese erfordert eine biopsychosoziale Sichtweise von chronischen Schmerzerkrankungen und somit ein interdisziplinäres Vorgehen. Musiktherapeutische Behandlungsmodelle können dazu wirksam beitragen.“