Forderung: Patienten sollten frei zwischen Heimdialyse und ambulanter Hämodialyse wählen können.
In Österreich gibt es derzeit etwa 4.000 Dialyse-Patienten und 3.800 Menschen mit einer implantierten Spenderniere. Nieren-Spezialist Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz (Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin IV, Nephrologie und Hypertensiologie), wies jetzt anlässlich eines Treffens von Nieren-Patienten aus ganz Österreich (ARGE Niere) in Innsbruck auf den ständigen Zuwachs der Zahl dieser Patienten hin.
Der Experte: "Die Statistik zeigt uns, dass immer mehr Menschen mit Nierenschwäche eine Nierenersatztherapie brauchen." Während im Jahr 1998 in Österreich 2.859 Patienten eine Dialyse machten und 2.451 Patienten eine Spenderniere transplantiert bekamen, waren es im Jahr 2007 bereits 3.947 bzw. 3.791.
Rosenkranz: "Auf Grund der demografischen Entwicklung ist davon auszugehen, dass der Bedarf an Nierenersatztherapie auch in Zukunft deutlich zunehmen wird. Verbreitete Prognosen gehen bei den Dialysen von einer jährlichen Steigerungsrate von über fünf Prozent aus."
Ursachen dieser Entwicklung sind die allgemein steigende Lebenserwartung mit natürlichem Leistungsverlust der Nieren im höheren Alter, und die zunehmende Verbreitung von Diabetes oder Bluthochdruck. Der Experte: "Daten aus den USA und Europa zeigen bereits jetzt, dass 10 bis 13 Prozent der Bevölkerung an einer chronischen Niereninsuffizienz als Vorstufe leiden, überwiegend als Folge des Diabetes und/oder Bluthochdrucks."
Hämodialyse und Peritonealdialyse
Das gängigste Dialyseverfahren ist die Hämodialyse (HD), sie kommt in Österreich bei 92 Prozent der Patienten zum Einsatz.
Doch das müsste nicht unbedingt so sein. "Ein ganz anderer Weg wird bei der Peritoneal- oder Bauchfelldialyse (PD) beschritten, der sehr gut selbst zu Hause durchzuführende Heimdialyse", so Rosenkranz.
Das wäre zu Hause, am Arbeitsplatz und sogar auf Reisen möglich. Der Nephrologe: "Der entscheidende Vorteil für die Patienten besteht darin, dass sie während des eigentlichen Dialysevorgangs unabhängig von Geräten sind und sich frei bewegen können."
Die häufigste Form der PD ist heute die "kontinuierliche ambulante PD" (CAPD). Dabei wechselt der Patient den Beutel mit der Dialyselösung von Hand, in der Regel drei bis vier Mal täglich.
Der neueste Stand der Medizintechnik ermöglicht es inzwischen sogar, die PD vollständig nachts durchzuführen. Bei dieser Automatisierten Peritonealdialyse (APD) sorgt ein externes Gerät ("Cycler") selbstständig für den Austausch der Dialyselösung: Er kontrolliert den zeitlichen Ablauf der Wechsel, leitet die verbrauchte Lösung ab und füllt die Bauchhöhle mit frischer Lösung. Der gesamte Vorgang dauert etwa acht bis zehn Stunden.
"Die optimale Patientenauswahl – nicht jeder Patient ist für jede Form der Dialyse geeignet – Patienteninformation und Patientenschulung sind eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Anwendung der PD", so Rosenkranz. „Besonders für Dialysepatienten, die selbständig und vom betreuenden Zentrum unabhängiger sein wollen, ist die Bauchfelldialyse zu empfehlen. Dazu zählen unter anderem Schüler, Studierende und Berufstätige, die aufgrund der größeren Flexibilität von diesem Verfahren profitieren. Krankenstandtage oder Frühpensionierungen gehen bei PD zurück.“
Allerdings wird die PD in Österreich im internationalen Maßstab noch sehr zurückhaltend eingesetzt. Während in vielen europäischen Ländern 20 bis 30 Prozent der Dialysepatienten eine PD machen, sind es in Österreich nur acht Prozent.
Außerdem ist die PD in der Lage, Kosten einzusparen, ohne dabei die medizinische Versorgung der Patienten negativ zu beeinflussen. Eine Untersuchung aus Niederösterreich zeigt: Während die durchschnittlichen Jahreskosten bei der Hämodialyse 62.870 Euro betragen, liegen diese bei der PD bei 41.460 Euro. Die Hauptursachen für diese Kostendifferenz sind die Transportkosten, die bei der HD anfallen, sowie die Medikamentenkosten für Medikament gegen Anämie oder Eisenmangel.