Infektionen mit methicillin-resistenten Keimen werden offenbar immer häufiger. Strikte Hygienemaßnahmen sind offenbar die beste Gegenmaßnahme, hieß es jetzt beim Kongress der Society für General Microbiology in Harrogate in Großbritannien.
In Deutschland geht man mittlerweile von jährlich bereits rund 20.000 Infektionen mit MRSA aus. Dies erklärte vor kurzem laut Münchener Medizinischer Wochenschrift Dr. Christine Geffers vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité in Berlin. Fünf Prozent der postoperativen Wundinfektionen und 4,4 Prozent der Infektionen auf Intensivstationen dürften durch MRSA verursacht werden.
Mittlerweile handelt es sich bei dem methicillin-resistenten S. aureus-Erregern nicht mehr „nur“ um Spitalskeime. Sie werden aus Kliniken bereits häufig exportiert und kommen dann auch in Pflegeheimen an, die ebenfalls eine besondere Risikosituation darstellen.
Mittel- und längerfristig hat natürlich ein möglichst sparsamer und gezielter Umgang mit Antibiotika oberste Priorität. Doch ändert nichts daran, dass mit betroffenen Patienten im Fall des Falles so umgegangen werden kann, dass es zu keiner Ausbreitung kommt. Am wichtigsten: die Händedesinfektion, Einmalhandschuhe, ev. Masken Schutzkittel, Schutz vor Kontakt mit infektiösem Material, Oberflächendesinfektion etc.
Das alles ist offenbar wichtiger als die Isolation von betroffenen Patienten. In einer Studie, die in Harrogate präsentiert wurde, zeigte Dr. Peter Wilson vom University College Hospital in London Daten über ein Jahr Erfahrungen an zwei Intensivstationen: Ein halbes Jahr lang wurden MRSA-Patienten bei einer solchen Infektion aus der Station in Einzelzimmer gebracht und isoliert, ein halbes Jahr lang wurden sie weiterhin an der jeweiligen Intensivstation behandelt – allerdings unter besonderer Berücksichtigung der Hygiene-Maßnahmen.
Das Ergebnis: Es wurden nicht mehr und nicht weniger Kreuzinfektionen festgestellt – egal, welches Regime man verwendete. Allerdings bedeutet das Übersiedeln solcher Patienten selbst schon ein erhöhtes Risiko.
Wilson: „Wenn jemand mit einer MRSA-Infektion in einem kritischen Zustand ist, ist es weniger wichtig, ihn zu isolieren als eine optimale Versorgung.“ Das Problem liegt darin, dass auf Intensivstationen durch die besonders häufigen physischen Kontakte die wiederholte Händedesinfektion schlechter durchzusetzen ist als auf anderen Abteilungen im Spital. Aber die Händehygiene ist und bleibt am wichtigsten.