Kann die Substanz auch ohne die Gefahr von Resistenzen eingesetzt werden?
US-Wissenschafter haben ein Antibiotikum entwickelt, dass die Biofilmbildung von Bakterien verhindert. Der neue Wirkstoff zeigte in ersten Untersuchungen laut der Fachzeitschrift "Nature Chemical Biology" keine Anzeichen dafür, dass es bei seiner Verwendung zu Resistenzen kommen könnte.
Der Wirkstoff, den Vern Schramm vom Albert Einstein College of Medicine in New York City entwickelt hat, tötet die Bakterien nicht ab. Er versucht nur, deren Virulenz zu reduzieren. Angriffspunkt ist dabei eine Eigenschaft von Bakterien, die Forscher als „quorum sensing“ bezeichnen. Sie beschreibt die Fähigkeit von Einzellern, die Anzahl anderer Einzeller in ihrer Umgebung abzuschätzen.
Das ist laut Deutschem Ärzteblatt wichtig, da einige Bakterien in größeren Gruppen ihr Verhalten ändern. Sie setzen dann Stoffe frei, die das Überleben der Gesamtgruppe sichern. Dies kann beispielsweise ein Biofilm auf einem medizinischen Katheter sein, in welchem die Erreger unerreichbar für konventionelle Antibiotika sind.
Das „quorum sensing“ (Abschätzen der „Mehrheiten“, Anm.) setzt voraus, dass die einzelnen Bakterien den anderen ihre Anwesenheit mitteilen. Dazu geben die einzelnen Bakterien Signalproteine, sogenannte Autoinducer, an die Außenwelt ab. Wenn ihre Konzentration eine bestimmte Schwelle überschreitet, beginnen die Bakterien mit der Produktion eines Biofilms.
Das von Schramm entwickelte Antibiotikum verhindert (durch die Hemmung eines Zwischenprodukts des Enzyms MTAN) die Synthese eines Autoinducers in den Bakterien Vibrio cholerae und E. coli 0157:H7. Die Folge ist eine deutliche Reduktion der Biofilmbildung, ohne dass die Überlebensfähigkeit der Erreger herabgesetzt wurde.
Der Wissenschafter postuliert nun, dass es wegen des fehlenden Selektionsdrucks nicht zur Entwicklung einer Resistenz kommen kann. Er hat das Antibiotikum an 26 aufeinanderfolgenden Generationen der beiden Bakterien getestet, ohne eine Abschwächung der Wirkung festzustellen.
Ob das auch für Österreich wichtig ist, bleibt dahingestellt. Österreich ist ein Vorzeigeland, was die Menge der verschriebenen Antibiotika angeht. In einem Vergleich unter 26 Staaten lag unser Land bei den Mengen an drittletzter Stelle vor Estland und den Niederlanden. Bei manchen Antibiotika - zum Beispiel bei den Makroliden - gibt es aber bei Anwendung im HNO-Bereich bereits deutliche Resistenzen.