Ein altes Thema, das in Österreich noch nicht zufrieden stellend gelöst ist: Die Krebs-Früherkennung. Beim Brustkrebs-Screening ist man bisher über Pilotstudien nicht hinausgekommen. Die Dickdarm-Früherkennung wird bisher kaum von der Bevölkerung angenommen – und auch beim Gebärmutterhalskrebs schaut es „löchrig“ aus. Auch hier fehlt ein Screening-Programm.
Die Österreichische Krebshilfe will das nicht mehr zur Kenntnis nehmen. „Die medizinische Behandlung von Krebspatienten liegt in Österreich deutlich über dem EU-Schnitt. Modernste Therapien werden früh und ausreichend verwendet. Dem gegenüber steht jedoch ein gravierender Mangel bei den Früherkennungs-Untersuchungen. Obwohl von der EU für 2008 ein organisiertes Brustkrebs-Screening gefordert wurde, gibt es bis dato in Österreich nur Modellprojekte“, stellte die Organisation fest.
Mehr noch: „Nach jüngsten Aussagen des neuen Gesundheitsministers ist eine Umsetzung dieser Forderung in absehbarer Zeit auch nicht in Sicht. Ebenso bestehen für die häufigsten Krebsarten Gebärmutterhals- und Darmkrebs noch keine flächendeckende Screening-Programme. Anlässlich des Weltkrebstages 2009 (4. Februar) appelliert die Österreichische Krebshilfe an die Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik, diesen Missstand endlich zu beseitigen.“
Dabei scheint Österreich laut einer Studie des schwedischen „Karolinska-Instituts“ in anderen Bereichen gut abzuschneiden. Österreich liegt bei Krebstherapien europaweit im Spitzenfeld. Mit rund 3,5 Mio. Euro an Aufwendungen für Krebsmedikamente pro 100.000 Einwohner liegt Österreich deutlich über dem EU-Schnitt von 2,6 Mio. Euro. Heimische Krebspatienten können sich also über den Einsatz modernster medikamentöser Therapien sicher sein.
Doch bei der Früherkennung ist das ganz anders. Laut einem aktuellen Bericht der Europäischen Kommission werden EU-weit noch immer zu wenig Menschen zur Krebsfrüherkennung geladen. Österreich liegt auch hier im Spitzenfeld, aber leider nicht im positiven, sondern im negativen Sinn.
Anlässlich des Weltkrebstages erhob die Österreichische Krebshilfe folgende Forderungen:
- Organisiertes Screening
- Beibehalten des medizinischen Standards
- Krebs muss ein nationales Anliegen sein
Seit Jahren werden immer wieder die hohen Kosten der Therapie beklagt. Eine optimales Früherkennungsprogramm würde da wahrscheinlich zu einem deutlichen Einbremsen der Ausgaben führen, die ja im Spätstadium besonders hoch sind.