In einigen Jahren könnte die Behandlung der Multiplen Sklerose anders aussehen.
Ohne Zweifel haben die Beta-Interferone und schließlich Glatirameracetat die Behandlung der Mutliplen Sklerose (MS) zum Positiven verändert. Doch ihr Effekt ist begrenzt, die Interferone haben deutlich Nebenwirkungen.
Mit dem monoklonalen Antikörper Natalizumab steht zwar eine – möglicherweise – wirkungsvollere Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung. Doch hier kommt es in seltenen Fällen zu schwersten Nebenwirkungen. Fazit: Im Bereich der MS-Therapie ist noch jede Menge an Verbesserungsmöglichkeiten enthalten.
In wenigen Jahren aber könnte es eine ganze Reihe von oral verabreichbaren Immunmodulatoren auf diesem Gebiet geben. Eine Wissenschaftergruppe unter Univ.-Prof. Dr. Ludwig Kappos von der Universitätsklinik in Basel veröffentlichte vor kurzem (25. Oktober) im „Lancet“ eine klinische Studie der Phase IIb mit der Substanz Dimethyl Fumarat (als „Fumaderm“ in der Dermatologie gegen Psoriasis in Erprobung).
Vier je gleich große Paitentengruppen (schubweise-remittierende MS) bekamen unterschiedliche Dosierungen des Medikaments oder Placebo. Bei einer Dosierung von dreimal 240 Milligramm pro Tag zeigte sich in einem Zeitraum zwischen zwölf und 24 Wochen eine Reduktion neuer MS-Läsionen im MR um 69 Prozent, auf das Jahr hochgerechnet verringerte sich die Schubrate im Vergleich zu Placebo um 32 Prozent.
Eine andere und ebenfalls in Entwicklung befindliche Substanz ist Laquinimod. Es dämpft Entzündungen, indem es die überschießende Immunantwort bei den Patienten von den TH1-Lymphozyten zu einer der TH2-Lymphozyten verändert.
Laquinimod, Cladribin, Fingolimod, Teriflunomid
Univ.-Prof. Dr. Giancarlo Comi von der Universität Vita-Salute in Mailand und Co-Autoren testeten unterschiedliche Dosierungen von Laquinimod (täglich 0,3 oder 0,6 Milligramm in Tablettenform pro Tag) im Vergleich zu einem Scheinmedikament bei insgesamt 306 Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose.
Die Untersuchung lief 36 Wochen lang. Wiederholte MR-Untersuchungen belegten: Jene Patienten, die 0,6 Milligramm der Substanz erhalten hatten, wiesen am Ende im Durchschnitt 2,6 Entzündungsherde im Gehirn auf, die Placebo-Patienten hingegen im Durchschnitt 4,2. Das war eine Reduktion um 40,4 Prozent. Die halbe Dosis davon zeigte keinen Effekt.
Auch noch andere Substanzen wie Cladribine, Fingolimod und Teriflunomid in oraler Applikationsform befinden sich in klinischer Prüfung. Es könnte also durchaus so sein, dass in absehbarer Zeit deutlich mehr Behandlungsalternativen als jetzt bei der MS zur Verfügung stehen.